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Aus- und Fortbildung

Professionalisierung der Freiwilligenarbeit

Freiwilligenorganisationen müssen sich heute darum verstärkt bemühen, für freiwilliges Engagement attraktiv zu sein, um ausreichend Freiwillige zur Mitarbeit motivieren und gewinnen zu können. Freiwillige müssen nicht nur gewonnen, sondern auch geschult, intensiv betreut, geführt und natürlich auch belohnt werden. Dies stellt neue Anforderungen an jene Personen, die für die Begleitung und Koordination von Freiwilligen in Organisationen zuständig sind.

Bildungsmaßnahmen für Freiwillige selbst haben zum Ziel, eine Basis für das angestrebte Engagement zu legen, die Freiwilligen in ihren sozialen Kompetenzen zu stärken, ihr Wissen über das angestrebte Einsatzgebiet zu vertiefen, die Zusammenarbeit in den Teams zu festigen und ihre Motivation aufrecht zu erhalten.

Um die Ausbildung von Freiwilligenkoordinatorinnen und -Koordinatoren und von Freiwilligen auf eine einheitliche Basis zu stellen, wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz einheitliche Kriterien für die Aus- und Fortbildung von Freiwilligen-Koordinatorinnen und -Koordinatoren und für Bildungsmaßnahmen für Freiwillige erarbeitet. Der "Leitfaden zur Entwicklung von Lehrgängen für Freiwilligen-Begleiter/innen, Freiwilligen-Koordinator/inn/en und Freiwilligen-Manager/innen" und der "Leitfaden zur Entwicklung von Bildungsmaßnahmen für Freiwillige" sind wichtige Beiträge zur Qualitätssteigerung und Qualitätssicherung freiwilligen Engagements in Österreich.

Freiwillige bringen in ihre Tätigkeit vielfältige Kenntnisse, Fertigkeiten, Qualifikationen, Lebenserfahrung, Einsatzbereitschaft und persönliche Kontakte ein. Bildungsmaßnahmen für Freiwillige haben zum Ziel, die persönlichen Kompetenzen von Freiwilligen gezielt zu fördern. Zugleich dienen sie dazu, ihnen jenes fachliche Wissen zu vermitteln, das sie für ihre künftige Tätigkeit brauchen.

Lehrgänge für Freiwilligen-Begleiter/innen, Freiwilligen-Koordinator/inn/en und Freiwilligen-Manager/inn/en sollen die Absolventinnen und Absolventen dazu befähigen, die Freiwilligen in die Organisation einzugliedern, für entsprechende Rahmenbedingungen in der Organisation zu sorgen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten von Freiwilligen mit geeigneten Aufgaben zu verbinden, die Freiwilligen in ihren Tätigkeiten zum Erfolg zu führen, die Gruppe von Freiwilligen gut anzuleiten, die Ressourcen der Freiwilligen zu entwickeln und auf diese Weise zum befriedigenden und erfolgreichen Einsatz von Freiwilligen beizutragen.

Mittlerweile gibt es in den meisten Bundesländern solche Lehrgänge für Freiwilligen-Begleiter/innen, Freiwilligen-Koordinator/inn/en und Freiwilligen-Manager/inn/en mit vergleichbaren Inhalten, die aber teilweise unterschiedlich bezeichnet werden. Zum Teil bestehen natürlich auch individuelle Unterschiede. Dem Bundesministerium ist die Qualitätsentwicklung in diesem Bereich ein besonderes Anliegen.

Kompetenz- und Qualifikationserwerb

In einer österreichischen Befragung von 400 Unternehmen stimmten 93 % der Befragten der Aussage zu, dass durch freiwilliges Engagement Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangt werden können, die auch für den Beruf einen Nutzen bringen. Bislang gibt es allerdings wenig Forschungsliteratur zur Frage, welche Qualifikationen durch Freiwilligenarbeit gewonnen werden können. Zu den Wirkungen freiwilliger Tätigkeit auf berufliche Chancen und das individuelle Verdienstpotenzial liegen Ergebnisse aus einer kanadischen Studie vor. Ausgangsüberlegung dieser Untersuchung ist, dass Freiwilligenarbeit die Fähigkeiten und damit die Produktivität einer Person erhöht. Außerdem entstehen durch die ehrenamtliche Tätigkeit informelle Netzwerke und Kontaktmöglichkeiten, die etwa bei der Suche nach einer bezahlten Stelle hilfreich sein können.

Viel Entwicklungsarbeit floss in die Darstellung von Kompetenzen und Qualifikationen, die durch freiwilliges Engagement potenziell erworben werden können, insbesondere bei der Schaffung von Instrumenten wie Freiwilligennachweis und Kompetenzportfolio. Der Freiwilligennachweis wurde vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) in Kooperation mit dem Personalberatungsunternehmen Hill International entwickelt. Ein Formular mit Ausfüllhilfe unterstützt Freiwilligenorganisationen und Freiwillige darin, die erworbenen Fähigkeiten für Bewerbungsunterlagen darzustellen.

Folgende Schlüsselkompetenzen gelten als besonders relevant:

  • Soziale Kompetenz und Belastbarkeit
  • Engagement und Einsatzfreude
  • Verantwortung und Selbstdisziplin
  • Motivation und Überzeugungskraft
  • Führungs- und Managementkompetenzen
  • Zusatzqualifikationen und neue Fachkenntnisse (z. B. IT-Qualifikationen, Fremdsprachen, buchhalterisches Know-how, sonstiges Fachwissen)

Der Ring Österreichischer Bildungswerke hat im Rahmen verschiedener Projekte ein Kompetenzportfolio sowie einen Kompetenznachweis für Bewerbungen entwickelt. Das Portfolio erfasst den Kompetenzerwerb im Engagement, der Nachweis ist eine Kurzfassung und Auswertung des Portfolios im Hinblick auf das jeweilige Bewerbungsinteresse. Für die Portfolio- und die Nachweiserstellung stehen speziell ausgebildete Begleiter und Begleiterinnen zur Verfügung, die die Freiwilligen im jeweils benötigten Umfang unterstützen. Das Portfolio selbst wird häufiger zur Selbstreflexion als zur Erstellung von Nachweisen für Bewerbungen genützt.

Kernstück des Portfolios ist das Kompetenzprofil, das folgendermaßen unterscheidet:

  • Fachlich-methodische Kompetenz: pädagogische Kompetenz, Kulturmanagement, Kulturmarketing etc.
  • Sozial-kommunikative Kompetenz: kommunikative Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Beratungskompetenz etc.
  • Personale Kompetenz: Belastbarkeit, Verantwortungsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Vorbildfunktion etc.

Ähnliche Instrumente wurden auch von anderen Institutionen entwickelt – beispielsweise bestätigt der Youthpass als Zertifikat die Teilnahme an einem Europäischen Freiwilligendienst und beschreibt die Aktivitäten und die Beteiligung des/der Freiwilligen. Auch hier gibt es Ausfüllhilfen, die Schlüsselkompetenzen auflisten, die im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes potenziell erworben werden können.

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